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KEIM E+H Edition Nr. 2: Schmuttertal Gymnasium Diedorf

HERMANN KAUFMANN +

HERMANN KAUFMANN + FLORIAN NAGLER Hermann Kaufmann und Florian Nagler im Gespräch. Der Bauherr des Schmuttertal- Gymnasiums profitierte vom Input zweier Architekturbüros mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit und moderner Holzbau. Prof. Hermann Kaufmann und Prof. Florian Nagler im Gespräch über den Planungsprozess und ihre Zusammenarbeit. Wie kam es zur Kooperation zwischen Ihren beiden Büros? Hermann Kaufmann: Mit dem Schmuttertal- Gymnasium sollte erstmals in Deutschland eine Schule als Holzbau im Plus-Energie- Standard entstehen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt förderte das Projekt. Sie kam auf mein Büro zu, weil sie Architekten mit Holzbau-Erfahrung suchte. Angesichts des Projektstandorts in Deutschland habe ich dann zur Verstärkung meinen Kollegen Florian Nagler mit ins Boot geholt. 18

INTERVIEW Wir kennen uns als Professoren an der TU München und haben in vielen Architekturfragen eine ähnliche Haltung. Haben Sie den Entwurf gemeinsam entwickelt? Florian Nagler: Ja und nein. Zunächst hat jeder für sich ein Grobkonzept erarbeitet und dann haben wir uns zusammengesetzt. In der Diskussion schälte sich dann allmählich die jetzt verwirklichte Lösung heraus. Worin unterschieden sich Ihre Konzepte? Hermann Kaufmann: Ich hatte das Raumprogramm in einem einzigen kompakten Baukörper zusammengefasst, Florian Nagler hatte dagegen schon die Gliederung in mehrere Einzelhäuser vorgenommen, die sich harmonisch in die Landschaft einfügen. Diesen Ansatz haben wir dann weiterverfolgt. Florian Nagler: Ursprünglich wollten wir sechs kleinere Baukörper errichten, doch nach der ersten Kostenschätzung war klar, dass das wegen der großen Hüllfläche zu teuer wird. Wir haben die Räume dann auf nur noch vier Volumina verteilt, die kompakter und ein Geschoss höher sind. Haben Sie die gesamte Planung gemeinsam erarbeitet oder gab es eine Aufgabenteilung? Florian Nagler: Weil sich mein Team mit deutschem Baurecht besser auskennt, hat es die Pläne für die Baueingabe erstellt und die Leistungsphasen 1 bis 4 bearbeitet. Hermann Kaufmann hat die Detailplanung der Leistungsphase 5 übernommen, mein Büro dann die Ausschreibung und Bauleitung, also die Phasen 6 bis 9 – die Entfernung von München nach Diedorf ist kürzer. Während des gesamten Planungsprozesses hat Hermann Kaufmann sich um das Thema Kosten gekümmert und den Forschungsbericht verfasst, der über das Schulgebäude veröffentlicht wurde. War der Planungsaufwand bei diesem Pilotprojekt höher als bei vergleichbaren Bauvorhaben? Florian Nagler: Deutlich höher. Generell erfordert Holzbau eine aufwendigere Detailplanung als beispielsweise ein verputzter Massivbau. Aber das war nicht der springende Punkt, denn wir hatten ja beide bereits Holzbau-Erfahrung aus früheren Projekten gesammelt. Entscheidend war, dass wir bei dieser Schule in vielerlei Hinsicht Neuland beschritten haben. Hermann Kaufmann: Für die offenen Lernlandschaften und die Sichtholzkonstruktion bei einem öffentlichen Gebäude dieser Größenordnung waren besondere Klimmzüge nötig, um die Haustechnik im Zusammenhang mit dem Brandschutz zu integrieren. Auch das ambitionierte Plus-Energie-Konzept trieb den Planungs- und Abstimmungsaufwand nach oben. Hat sich das Projekt für Ihre Büros dann überhaupt „gerechnet“? Hermann Kaufmann: Sagen wir’s mal so: Wir freuen uns vor allem über die Anerkennung und über die zahlreichen Auszeichnungen, die uns das Projekt eingebracht hat. Hermann Kaufmann + Partner ZT GmbH www.hkarchitekten.at Florian Nagler Architekten GmbH www.nagler-architekten.de 19

ERHALTEN UND GESTALTEN