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KEIM E+H Edition Nr. 2: Schmuttertal Gymnasium Diedorf

SCHMUTTERTAL-GYMNASIUM

SCHMUTTERTAL-GYMNASIUM Im Sommer ein kühler Kopf, im Winter keine kalten Füße: Der Boden kann kühlen und heizen und steigert den Komfort. Stickige Luft nach einer Klassenarbeit, unter der Sommerhitze ächzende Schüler und Lehrer – das gibt es in diesem Neubau nicht. Denn bei der Planung wurde allerhöchster Wert darauf gelegt, dass in den Räumen stets ein angenehmes Klima herrscht, ohne dass dafür viel Energie aufgewendet werden muss. Basis des Konzepts ist eine hochgedämmte Gebäudehülle, die im Sommer die Wärme und im Winter die Kälte draußen hält. Entscheidend für den Energieverbrauch sind im Schulbau aber vor allem die Energieverluste durchs Lüften. Denn für die dicht besetzten Klassenräume wird in Schulbauempfehlungen ein dreifacher Luftwechsel pro Stunde vorgeschlagen, das ist sechsmal mehr als etwa im Wohnungsbau mit einer Luftwechselrate von 0,5. Daher erhielt das Gymnasium eine mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung, die Energieverluste minimiert. Sensoren messen den CO 2 -Gehalt in den Räumen, sodass immer bedarfsgerecht Frischluft eingeblasen wird und keine „dicke Luft“ entsteht, bei der die Konzentration sinkt. Wer will, kann trotzdem mal ein Fenster öffnen. Aber die winterlichen Wärmeverluste durch die regelmäßige 24

KLIMA, ÖKOLOGIE, ENERGIE Fensterlüftung entfallen. Heizen muss man kaum noch, denn 20 bis 30 Schüler pro Klassenzimmer geben genug Wärme ab, um einen gut gedämmten Raum zu temperieren. Der geringe verbleibende Energiebedarf wird mit einer Pelletheizung gedeckt, also mit nachwachsenden Rohstoffen. Die Wärmeverteilung erfolgt über eine Fußbodenheizung, die aber nur an besonders kalten Wintertagen gebraucht wird. Im Sommer gilt es dagegen, das Gebäude kühl zu halten. Deshalb orientieren sich die meisten Räume nach Norden oder Süden und verhindern ein unerwünschtes Aufwärmen durch die flach stehende Ost- und Westsonne. Im Süden sperren Lamellen-Raffstoren die steile Südsonne aus, lassen aber genug indirektes Tageslicht eindringen, um auf künstliche Beleuchtung verzichten zu können. Diese passiven Maßnahmen reduzieren den Kühlbedarf bereits deutlich. Wenn das nicht ausreicht, wird die Fußbodenheizung umfunktioniert und zum aktiven Kühlen herangezogen: In den Nachtstunden fließt kaltes Wasser durch die Leitungen und entzieht dem Raum Wärme; der 10 cm dicke Zementestrich dient dabei als Speichermasse, um die Kühle der Nacht in den Tag zu retten. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach erzeugt Strom. Der Energiegewinn übers Jahr ist größer als die gesamte Primärenergie, die fürs Heizen, Kühlen, Lüften und Beleuchten des Gebäudes nötig ist. Damit entspricht das Schmuttertal-Gymnasium dem Plus-Energie-Standard und übertrifft die meisten anderen Schulbauten bei Weitem. Die spannende Frage ist nun, ob dieser jährliche Energieüberschuss zusätzlich noch ausreicht, um die graue Energie auszugleichen, die in die Herstellung des Gebäudes geflossen ist. Denn letztlich geht es ja darum, im gesamten Lebenszyklus des Bauwerks klimaschädliches CO 2 einzusparen. In der Ökobilanz wurde eine Nutzungsdauer von 50 Jahren betrachtet. In diesem Zeitraum schafft es das Gebäude beinahe vollständig, die bei der Herstellung ausgestoßene CO 2 -Menge wieder „einzuspielen“, die Schule ist damit nahezu klimaneutral. Bei jedem Gebäude spielen die Klimawirkung der Bau- und der Betriebsphase zusammen. Im Falle des Schmuttertal-Gymnasiums schlägt nicht zuletzt die sehr geringe Klimawirkung der Holzkonstruktion zu Buche. Dieses zeigt sich im Vergleich zu einem konventionellen Massivbau nach EnEV-Standard: Bei der Diedorfer Schule konnte das CO 2 -Äquivalent für Herstellung und Betrieb – über 50 Jahre gerechnet – um rund 95 Prozent gedrosselt werden. Klimagaspotenzial 50 a in kg CO 2 -Äquivalenz Gebäudebetrieb Gebäudeherstellung 60.000.000 50.000.000 40.000.000 30.000.000 20.000.000 10.000.000 0 – 10.000.000 Massivbau nach EnEV-Standard Holzbau als Passivhaus Schmuttertal- Gymnasium 25

ERHALTEN UND GESTALTEN