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KEIM E+H Nr. 11: Lasur veredelt Beton

erhalten & gestalten

erhalten & gestalten Partiell vergraut Das neue Amts- und Landgericht in Frankfurt/Oder ist ein mächtiger Monolith aus Leichtbeton. Obwohl dessen Verarbeitung vor Ort sorgfältigst abgestimmt wurde, kam es partiell zu optischen Mängeln an der Oberfläche – ein Fall für die Betonretusche. Von oben: Die Oberfläche des Leichtbetons nach dem Entschalen und nach der Retusche. Da diese partiell ausgeführt wurde, zeigt der Beton bei Benetzung ein unterschiedliches Saugverhalten und damit keine homogene Verfärbung. Immer wieder herrscht nach dem Ausschalen von Sichtbetonteilen Ratlosigkeit. Denn selbst gleiche Rahmenbedingungen und penibelst eingehaltene Vorgaben während der Verarbeitung vermögen Inhomogenitäten des Oberflächenbildes nicht vollständig zu verhindern. Diese Erfahrung machte man auch beim Amts- und Landgericht am Stadtrand von Frankfurt/Oder. Seine 65 bis 90 Zentimeter starken, massiven Außenmauern bestehen aus Leichtbeton LB15, der Sichtbetonoptik mit den geforderten Dämmwerten verbindet. Doch obwohl der Frischbeton mit Bedacht und größter Sorgfalt eingebracht wurde, entpuppten sich die Oberflächen in Teilbereichen als unerwartet inhomogen. Womit Planer und Bauherr die beabsichtigte monolithische Wirkung des fünfgeschossigen Baus gefährdet sahen. Abhilfe versprach einmal mehr die Retusche mit Lasuren, dabei beschränkte sich die Arge Betonlasur in Zusammenarbeit mit Ute Mahling von der Fälscherwerkstatt jedoch darauf, nur die betroffenen Partien zu überarbeiten. Es erfolgte eine partielle Retusche, in deren Rahmen man die notwendigen Spachtel- und Lasurgänge sehr sensibel vornahm – und das nicht nur auf den Außenfassaden, sondern auch auf Innenhof- Fassaden und auf den weitgehend betonsichtigen Wandflächen im Inneren des großen Gebäudes. So erhält die geschickte und kleinteilige Retusche den Charakter des unbehandelten Materials und stellt die monolithische Wirkung des Baus wieder her. Architekten: Bumiller & Junkers, Berlin Bauherr: Liegenschafts- und Bauamt Frankfurt/Oder Standort: Müllroser Chaussee 20, Frankfurt/Oder Baujahr: 2005 Kooperation mit: Ute Mahling, Berlin 12

Eine Bahn wird kommen Geraume Zeit ist er schon fertig, der Berliner U-Bahnhof Bundestag mit seiner acht Meter hohen Decke und den lichtumspülten Säulen. Diese bestehen, wie alles andere auch, aus großflächig retuschiertem Sichtbeton. Noch rollen keine U-Bahnen, noch ist der U- Bahnhof zwischen dem Bundeskanzleramt und dem Paul-Löbe-Haus nicht begehbar, herrscht Ruhe statt Betriebsamkeit. Dereinst soll der U-Bahnhof Bundestag die prominente Zwischenstation jener Linie 55 sein, die den Berliner Hauptbahnhof mit dem Brandenburger Tor verbindet und so endlich für eine schnelle Querverbindung unter dem Regierungsviertel sorgt. Doch während der Halt Bundestag zusammen mit dem Tiergartentunnel erstellt wurde, verzögert sich die Fertigstellung der anderen Stationen und Verbindungstunnel weiterhin. Die Station Bundestag ist – wie die unmittelbare überirdische Nachbarschaft auch – vom Team des Berliner Architekten Axel Schultes geplant und zeigt die für ihn typischen formalen Besonderheiten. So besticht der U-Bahnhof durch ein großzügiges Raumvolumen, misst insgesamt 3.000 Quadratmeter und weist asymmetrisch angeordnete Säulen auf, deren Kapitelle in runden Lichtschächten enden. Dadurch gelingt es, Tageslicht in die unterirdische, durch die gleich anschließende Spreeunterführung ungewöhnlich tief liegende Betonwelt zu bringen. Die Dimensionierung von Decke und Säulen ist übrigens auf eine optionale Überbauung mit neuen Gebäuden ausgelegt und daher vergleichsweise massiv ausgefallen. Die tiefe Lage im Bereich erhöhten Grundwasserspiegels ist wohl auch mitverantwortlich für die teils starke Dunkelfärbung des Sichtbetons. Je nach lokalem Feuchteangebot hat der Beton beim Abbinden eine stärkere Verfärbung erfahren, so dass alle Bereiche überarbeitet werden mussten – insgesamt rund 7.500 Quadratmeter einschließlich Galerie-, Hintergleisflächen und Stützen. Eine Besonderheit stellt die Einbettung der Spachtelebene und der ganzflächig aufgebrachten, hellgrauen Betonlasur dar. Sie befindet sich zwischen der Hydrophobierung des Betonuntergrundes und dem nach außen abschließenden Graffitischutz, dem im öffentlichen Berliner Raum eine ganz besondere Bedeutung zukommt. Nach der ganzflächigen Retusche zeigen sich die Oberflächen der U-Bahnstation Bundestag in einem gleichmäßigen Grau. Architekten: Axel Schultes Architekten, Berlin Bauherr: BVG Berliner Verkehrsbetriebe Standort: Paul-Löbe-Allee/Otto-von-Bismarck- Allee, Berlin Baujahr: 2008 Weißbeton-Kur Auch das aus Weißbeton erstellte Bundeskanzleramt leidet unter den Witterungseinflüssen: So war sieben Jahre nach Fertigstellung die Überarbeitung der Spreeseite unumgänglich. Bereits beim Bau des Bundeskanzleramtes erhielten dessen Fassaden eine retuschierende Bearbeitung. Der Weißbeton wurde mit hell eingefärbten Spachtelmassen partiell egalisiert und Helligkeits- bzw. Farbtonabweichungen durch Betonlasuren angeglichen. Sieben Jahre danach rückte die Arge Betonlasur zusammen mit Ute Mahling von der Fälscherwerkstatt erneut an. Dieses Mal stand die bis dahin unbearbeitete und zunehmend von Verschmutzung sowie Wasserläufern gezeichnete Fassade am Spreeufer zur Retusche an. Bevor jedoch Gussfehlstellen ausgespachtelt werden konnten, musste der großflächig aufgebrachte Graffitischutz von einer Spezialfirma entfernt werden – was allerdings die oberste Zementleimschicht des Weißbetons in Mitleidenschaft zog und damit die Farbigkeit des Materials sichtbar veränderte. Also war nach Spachtelung und Retusche eine ganzflächige Überlasierung unumgänglich, in einem sehr hellen, dem Zustand der übrigen Sichtbetonflächen entsprechend nuancierten Ton. Architekten: Axel Schultes Architekten, Berlin Bauherr: Bundesbauverwaltung Standort: Willy-Brandt- Str. 1, Berlin Sanierung: 2007 Kooperation mit: Ute Mahling, Berlin erhalten & gestalten 13

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