platzhalter

Aufrufe
vor 9 Monaten

KEIM E+H Nr. 11: Lasur veredelt Beton

erhalten & gestalten Die

erhalten & gestalten Die gleichmäßig ausgeführten Lasuren unterstreichen durch ihre transparente Wirkung die Betonanmutung. Zwar sind nicht alle Felder farbig gefasst, doch tragen sie alle eine einheitliche graue Basislasur. Architekten: Yamaguchi-Essig, Berlin Bauherr: Ministerium der Finanzen, Land Brandenburg Standort: Europaplatz 1, Frankfurt/Oder Baujahr: 2002 4

© Foto: Heide Fest Der Blick in das Atrium, dem zentralen Treffpunkt der Europa-Universität. Von hier führen die Wege in die Hörsäle und Mensa. Drei Rottöne, Weiß, Grün und Grau prägen die mächtigen Atriumswände die Seminarräume oder in die Mensa geht. Hier im Atrium schneiden sich alle Wege durch das Haus, hier wird kommuniziert, gefeiert, der Alltag reflektiert und vergessen. Es soll, wie die Architekten bemerken, die Funktion eines Marktplatzes haben, also urban sein. Oben wird das Atrium von gläsernen Giebeldächern gedeckt, an den Längsenden wird es von den kubischen Solitären der Seminarräume begrenzt. Doch die markantesten Elemente stellen die beiden Längswände dar – mit der von außen nach innen übernommenen Vertikalfalte vom oben einfallenden Licht zum Leben erweckt. Belebend und strukturierend wirken sich auch die lasierten Farbfelder aus, die die großen Flächen der Wände zerlegen. Diese Interpretation der Sichtbetonflächen beruht auf einem bereits früh fixierten Farbkonzept der Architekten, das die Schalplattenformate als Flächenraster nutzt und eine subtile Belebung der sonst grauen Fläche bewirkt. Die Umsetzung dieser eigenständigen und atmosphärisch höchst interessanten Lösung besorgte das Team der Arge Betonlasur, das zunächst nur zur Mustererstellung herangezogen wurde. Schnell zeigte sich aber wieder einmal, dass die Umsetzung eines Lasurkonzeptes nur auf den ersten Blick einfach ist. Tatsächlich scheiterte das über eine normale Ausschreibung beauftragte Unternehmen rasch an der Aufgabe, worauf die Arge Betonlasur wieder ins Spiel kam. Dass es sich dabei um beträchtliche Flächen handelte, erfasst der geschulte Blick: Rund 2.700 Quadratmeter im Atrium sowie im VIP-Bereich der Mensa standen an. Zwar bestimmten die Berliner Architekten Yamaguchi-Essig die Farbtöne per NCS- Codierung, doch ließen sich diese für deckende Anstriche gedachten Angaben nicht direkt in Lasurqualitäten abbilden. So mussten zunächst zahlreiche Versuche an später verdeckten Betonflächen gemacht werden, die den Einfluss des Untergrundtones und der Mehrschichtigkeit auf die Endfarbigkeit ermittelten. Besonders der Rosaton erwies sich in der zunächst angedachten Version als kaum realisierbar, da er sich nur minimal von den weiß lasierten Bereichen unterschied. Eine Anfeuerung mit einer dünnen rötlichen Abschlussschicht löste das Problem. Insgesamt versammeln die Wände des Atriums drei Rottöne, dazu Grün und Weiß. Während Weiß und Grün aus je zwei Lasurgängen bestehen, waren für die Rotnuancen drei Durchgänge notwendig. Doch zuvor lasierte man die Flächen durchgängig mit einem hellen Grauton, der den Betonton leicht aufhellte, für einen gleichmäßig saugenden Untergrund und eine konsistente Optik sorgte – denn einige Teilflächen blieben unfarbig. Als Feldbegrenzungen dienen zum einen senkrechte Fugen, zum anderen die horizontalen Stöße der Schalplatten. Ihre Färbung erhielten die Felder übrigens nicht linear von oben nach unten, sondern Nuance auf Nuance – so verdichtete sich das zunächst chaotische Bild während rund sechs Monaten zur konzeptionellen Idee. erhalten & gestalten 5

ERHALTEN UND GESTALTEN