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KEIM E+H Nr. 11: Lasur veredelt Beton

Nach der egalisierenden

Nach der egalisierenden Lasurschicht im Betonton folgte die farbige Gestaltung Dank der saugenden Holzschalung bildete sich eine nahezu porenfreie, aber entsprechend der Maserung strukturierte Betonoberfläche. erhalten & gestalten 6

Lasur hinter Glas Blau und rot leuchtet es hinter der langen Glasfront der schweizerischen Nikon-Zentrale hervor. Die Farbigkeit stammt von lasierten Betonflächen. Das Spiel von Vorder- und Hintergrund, von Transparenz und Materie, von innen und außen feiert bei der Nikon-Zentrale im schweizerischen Egg unweit von Zürich ein ganz besonderes visuelles Fest. So bildet die lange Glasfassade den physischen Abschluss des Gebäudes nach außen, nicht aber den optischen: Der Blick fällt hinein in das Innere und direkt auf rot sowie blau lasierte Flächen. Die Flächen gehören genau betrachtet zu eingestellten Körpern – hinter ihnen verbergen sich Büros (rot) und der Fahrstuhl (blau). Dazu gesellt sich ein frisches Gelb, appliziert als Lasur auf dem Eingangskubus, der wie eine Schleuse die Innen- mit der Außenwelt verbindet. Die Leuchtkraft der lasierten Flächen ist enorm, erst recht in der Dämmerung, wenn das Innenlicht die Flächen warm herausmodelliert. Dann erstrahlen insbesondere die mehrfach rot lasierten Farben nach außen, der schwarze Natursteinboden steigert die Farbkraft zusätzlich. Wer genau hinsieht, erkennt, dass nicht alle farbigen Flächen tatsächlich aus Beton bestehen, dass auch andere Materialien als Basis dienen – beispielsweise Gipskarton, Metall und Holz. So tragen die Türen den gleichen Ton, differenzieren sich jedoch durch ihre deckende Lackierung und ihren Glanzgrad von den matten Wandbereichen. So wird die einheitliche Farbklammer wieder in sich differenziert und subtil belebt. Weil die Betonbauteile mithilfe einer saugenden Holzschalung vor Ort hergestellt wurden, hielt sich die Porigkeit in Grenzen, während die Maserung der Platten eine deutliche Struktur einbrachte. Um diesen Untergrund von haftungsmindernden Schalölen zu befreien, wurde er geschliffen und mit einer ganzflächigen, betongrauen Lasurschicht versehen, die den Grund in Sachen Optik und Saugverhalten vereinheitlichte. Erst dann folgte die mehrschichtige Farblasur – für das nach NCS ausgemusterte Rot nutzte man reines Eisenoxid. Weil die Deckenbereiche zu stark mit Schalölen, Rostflecken und organischen Rückständen kontaminiert waren, verzichtete der Bauherr hier auf die Lasur und ließ eine deckende, helle Beschichtung auftragen. Die wiederum dient nebenbei der optischen Beruhigung des Interieurs, das auch von wechselnden Reflexen auf den gläsernen Brüstungen „bespielt“ wird. Architekten: ww Architekten, Zürich Bauherr: Nikon Schweiz AG, Egg Standort: Im Hanselmaa 10, Egg (Schweiz) Baujahr: 2003 erhalten & gestalten 7

ERHALTEN UND GESTALTEN