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KEIM E+H Nr. 12: Farbe ist Leben - Friedrich Ernst v. Garnier gestaltet Architektur

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erhalten & gestalten 3

erhalten & gestalten 3 BEZIEHUNGSREICH Wie eine Siedlung in Wetzlar farbig und damit lebenswerter wird 8 BEABSICHTIGT BUNT Die Fassaden eines Textilfarbenherstellers blühen in vielen Tönen 12 SPÄTE EINGEMEINDUNG Wie Farbe einen Fremdkörper im Stadtgefüge zu integrieren vermag 14 DIE WEISSE KRANKHEIT Was die Farbe für den Erhalt der Dorfidentität tun kann 18 EINE FARBIGERE WELT Friedrich Ernst v.Garnier, Streiter für eine natürliche Farbigkeit 6 KLASSIKER Drei Jahrzehnte nach der Erstgestaltung – ein Kraftwerk im Redesign 10 RELIKT DER BETONÄRA Das Dietrich-Bonhoeffer- Haus in Bad Kreuznach lädt ein 13 AUFSTREBEND 1991 gestaltet, immer noch aktuell: die Jakobuskirche in Mannheim 16 NUANCENREICH Der Farbenkompass und die Pixelanalyse schärfen den Blick 20 BETON TRIFFT AUF STAHL Farben veredeln die Trafostation eines Warmbandwerks in Duisburg IMPRESSUM „erhalten & gestalten“ Herausgeber: KEIMFARBEN GmbH & Co. KG, Keimstraße 16, D-86420 Diedorf, www.keimfarben.de Verlag: mk publishing GmbH, Döllgaststraße 7–9, D-86199 Augsburg Texte: Gabriele Betz Bildnachweise: Friedrich Ernst von Garnier, Gabriele Betz, mk publishing FARBE IST VIELFALT Um ihren funktionalen Ansprüchen gerecht zu werden, benötigt Architektur keine Farbe. Aber wie soll der Mensch als emotionales, Orientierung und Ver trautheit suchendes Wesen in einer farblosen Welt bestehen? Es ist nun schon über 40 Jahre her, als ein junger Mann beginnt, die Architektur der Einfallslosigkeit, ja der Menschenverachtung zu zeihen. Die „Unwirtlichkeit der Städte“ ist da zwar schon in aller Munde, doch plötzlich kommt ein anderer Ton in die Diskussion. Plötzlich geht es um das Medium Farbe, das – so der junge Mann – die großen und kleinen Baumeister schlichtweg negierten. Und dies, obwohl die Farbe ein physiologisches und mehr noch psychologisches Grundbedürfnis des Menschen darstelle. Ergo umgehe die Architektur ignorant ihre eigentliche Aufgabe, nämlich eine menschengerechte und emotional greifbare Alltagsumwelt zu schaffen. Die Fachwelt gerät in Aufruhr, denn der junge Mann rüttelt die Architektur vom Mythensockel erhabener Baukunst, stellt die Kompetenz selbst prominenter Granden des Bauens in Frage. Der zornige junge Mann, der keine Diskussion meidet, ist heute etwas milder geworden. Doch noch immer streitet Friedrich Ernst v.Garnier leidenschaftlich, wenn es darum geht, Gedankenlosigkeit und Ignoranz zu enthüllen. Sicherlich, es gibt viele andere Farbgestalter neben ihm – damals wie heute. Doch erst v.Garnier gelingt es, das Thema so in die breite Öffentlichkeit zu tragen, dass es über seinen Insiderstatus hinauswächst und die Farbe als integraler Bestandteil der Architekturgestaltung wieder Akzeptanz erfährt. Dass die Dispute dabei immer wieder polemisch geführt werden, hat der Sache nicht geschadet. Eher im Gegenteil. Der Erfolg v.Garniers spricht zumindest dafür. In den Jahrzehnten seines Schaffens hat er mit seinen engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die im Hintergrund wirken, zahlreiche Preise erhalten, hat er fast alle Bauaufgaben, von Kernkraftwerken und militärischen Anlagen abgesehen, farbig interpretiert – kleine Häuschen genauso wie riesige Industrieanlagen quer über den Globus. Sprich: v.Garnier hat das ganze Uni versum des Bauens durchstreift, hat sein Credo weltweit in zahllosen Vorträgen weitergegeben. Auch an viele Architekten, deren Skepsis nicht selten einer konstruktiven Auseinandersetzung mit der Farbe gewichen ist. 2

BEZIEHUNGS- REICH 1962 erstellt die Gewobau das erste von insgesamt 22 Mehrfamilienhäusern in Hermannstein bei Wetzlar. 45 Jahre später beginnt die energetische Sanierung der einfachen Bauvolumen – und zugleich die visuelle Aufwertung durch eine differenzierte Farbkomposition. Ungewöhnlich dunkle Farben aus dem Grauspektrum nutzt das Studio von Garnier in einem seiner jüngsten Projekte. Auf diese Weise erhalten die Volumina mehr visuelle Stabilität. 3

ERHALTEN UND GESTALTEN