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KEIM E+H Nr. 12: Farbe ist Leben - Friedrich Ernst v. Garnier gestaltet Architektur

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Beabsichtigte

Beabsichtigte farbkraft

»Der Entwurf akzeptiert die Vorstellung des Bauherrn, an dieser Stelle ein Signal zu senden, nachdem bestimmte Farbgruppen die besondere Stärke des Produzenten sind.« Die malerische Konzeption aus zahlreichen Farbnuancen setzt im Industriepark ein Signal und wurde vom Studioteam Garnier auch umgesetzt. Eigentlich setzt das Studio von Garnier selten auf farbintensive Lösungen – eine Ausnahme befindet sich im Industriepark Frankfurt-Höchst. Doch bezogen auf Größe und Volumen der Bauten von DyStar bleibt die Farbigkeit maßstäblich. Mit der radikalen Umstrukturierung der Hoechst AG wurde auch der frühere Hauptstandort des Konzerns einer neuen Bestimmung zugeführt. Im nun Industriepark Höchst getauften Gelände siedelten sich unter anderem die Ausgründungen des Konzerns sowie neue Firmen an. Beispielsweise das Unternehmen DyStar, Spezialhersteller für Textilfarben aller Art. Zunächst als Gemeinschaftsunternehmen von Bayer, BASF und Hoechst am Markt, wechselte es 2004 den Eigentümer. Seitdem gibt der US-Investor Platinum den Kurs des international agierenden Unternehmens vor. Allerdings bewahrte dieses Engagement DyStar nicht davor, Ende September 2009 Insolvenz wegen drohender Zahlungsunfähigkeit anzumelden. 2002 jedoch war die Welt und auch die Situation für DyStar eine andere. Damals bezog das Unternehmen seine neue Zentrale, eine Kombination aus siebengeschossigem Büro- und zweigeschossigem Laborbau. Erstmals konnten die bis dahin an verschiedenen Standorten agierenden Mitarbeiter unter einem Dach effektiver zusammenwirken. Erstellt wurden die beiden Bauten mit 16.000 Quadratmetern Nutzfläche vom Standortbetreiber Infraserv – in nur neun Monaten. Im Prinzip ein Funktionsbau mit streng geometrischer Pfosten-Riegel-Fassade und großflächigen, nahezu geschlossenen, 26 Meter hohen Giebelfassaden, entwickelte das Studio von Garnier gemeinsam mit den Architekten eine interessante Lösung. Die Giebel erhielten eine polychrome, bewegte Farbigkeit, basierend auf amorphen, ineinander übergehenden Strukturen – eine beabsichtigte, frei spielende „Farbkraft“ also, die zur Strenge der anderen Fassaden einen bewusstem Kontrast aufbaut. Diese Farbigkeit signalisiert zugleich, was in dem dort aktiven Unternehmen passiert – DyStar entwickelt und produziert Textilfarben für unterschiedlichste Fasern und Gewebe. So zeigt sich der Bürotrakt in einer bewegten Vielfarbigkeit, die klare Töne aus dem ganzen Spektrum versammelt – während der niedrigere Laborbau in kühlen Blaunuancen gehalten ist. Das wiederum lässt sich als Hinweis auf die dort stattfindende wissenschaftlich-rationale Arbeit verstehen. Die malerische Interpretation der Flächen wurde übrigens, wie andere diffizile Arbeiten auch, vom Studio von Garnier selbst ausgeführt. Projekt: Büro- und Laborgebäude DyStar Bauherr: DyStar Textilfarben GmbH Ausführungsjahr: 2002 Standort: Industriepark Frankfurt-Höchst, Gebäude B 598 erhalten & gestalten 9

ERHALTEN UND GESTALTEN