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KEIM E+H Nr. 13: Chancen für den Wohnungsbau der 50er- bis 70er-Jahre

„Es fehlte die Farbe,

„Es fehlte die Farbe, die nun das schwungvolle Gebäude mit all seinen Besonderheiten in Szene setzt“, so Gestalterin Annette Kamieth-Flöer. Dass Farbe die architektonischen Besonderheiten eines Gebäudes betonen kann, ist unbestritten. Ein Paradebeispiel ist dieses urbane Mehrfamilienhaus aus den frühen 1960er-Jahren mit seinem schwung vollen Bug. erhalten & gestalten Die neue Farbinterpretation wirkt auch in das Innere hinein, nutzt kräftige Töne und ein verspieltes Fliesenmosaik. Die Lage lieferte wohl die Steilvorlage für die schwung volle Ausformung des Baukörpers: Das Mehrfamilienhaus im Mülheimer Stadtteil Eppinghofen steht auf einem spitz zulaufenden Grundstück und wird beiderseits von Straßen begleitet. Anfang der 1960er-Jahre erbaut, sind die bewegte Fassade und das zurückgesetzte Staffelgeschoss zeittypische Attribute der damaligen Architekturauffassung. Das Bau volumen ruht nicht auf dem zurückgesetzten Sockelgeschoss, sondern scheint zu schweben. Durch die aktuelle farbige Differenzierung verstärkt sich dieser Eindruck, wobei das mit warmtonigen Klinkern verkleidete Erdgeschoss im Rahmen der jüngsten Sanierung unverändert blieb – sieht man von den beiden rotviolett gefassten Stützen am „Bug“ ab, die zu den darüber aufstrebenden Wandscheiben überleiten. Insgesamt betont die neue Farbigkeit die architektonische Konzeption: Das Rotviolett begleitet die Dach- und Traufkante und unterstreicht so die schwungvolle Gebäudefront. Die auf dem erdigen Sockel aufsetzenden Hauptgeschosse sind in einem Fliederton gefasst, der verspielt-leicht anmutet und durchaus als zeitverwandt gelten kann. Konsequent ist das Staffelgeschoss genau so wie die Traufuntersicht in Weiß gehalten, was den Baukörper im oberen Bereich noch mehr dematerialisiert. Die akzentuierende Dachkante letztlich ist es, die das Gebäude sozusagen am Boden hält. Spielerische Akzente bringen die Rot-, Orange- und Violetttöne der gläsernen Balkonbrüstungen. Im Innenhof wird dieses Prinzip aufgegriffen, allerdings handelt es sich hier um massive Brüstungen vor den weiß gefassten Loggien. Auch Eingangsbereich und Treppenhaus erhielten im Rahmen der Sanierung eine neue Farbatmosphäre in Abstimmung mit dem dunkelgrauen, bauzeitlichen Steinzeugboden. Im Eingangsbereich überrascht nun ein ausgesprochen polychromes Fliesenmosaik, im Treppenhaus tragen die gegenüber des Fensters liegenden Wände stockwerkstypische Bunttöne, die auch an der Fassade aufscheinen. So hebt die neue Farbinterpretation das prominente Bauwerk nicht nur in der urbanen Situation angemessen hervor, sie verbindet auch den Außenmit dem Innenraum zu einer wahrnehmbaren Einheit. Bauherr: Mülheimer Wohnungsbau eG Farbkonzept: FarbOffice, Annette Kamieth-Flöer, Mülheim Ausführung: Lückheide GmbH, Essen Standort: Sandstraße, Mülheim/Ruhr 6

Schwungvoll erhalten & gestalten 7

ERHALTEN UND GESTALTEN