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KEIM E+H Nr. 14: Autonomie und Transzendenz Jörg Niederberger und die Architektur

Im Farbraum der Stille

Im Farbraum der Stille Neufassung Dreifaltigkeitskirche in Bern Für viele Menschen sind Kirchen geistige Kraftorte, Plätze der Stille, der Versenkung. Aber auch Orte gelebten Lebens, von der Taufe über die Hochzeit bis zum Tod. Auf die Atmosphäre eines solchen Ortes mit Kunst, mit Malerei zu reagieren, ist eine Herausforderung – und ein Prozess, der im Werden entsteht. erhalten & gestalten Dreifaltigkeitskirche Bern Umsetzung: 2005 — 2008 Bauherr: Katholische Kirchengemeinde Bern Mitarbeit Atelier Niederberger: Nadine Wehrli, Tudis Benz, Carmen Heinrich Ausführung: Atelier Jörg Niederberger; Maler Hinter, Sachseln Standort: Taubenstrasse 12, Bern Produkte in den Seitenschiffen: KEIM Optil, KEIM Athenit-fino 14

Sie mussten viele Enttäuschungen und Rückschläge einstecken und über Jahrzehnte mit Behelfsunterkünften vorliebnehmen, aber 1896 war es endlich so weit: Die auf 3.500 Mitglieder erstarkte Gemeinde der Romtreuen Katholiken in Bern konnte die Grundsteinlegung ihrer ersten eigenen Kirche feiern. Bei der Realisierung des Projekts stützte sich der Luzerner Architekt Heinrich von Segesser – wie in jenen Zeiten üblich – auf historische Vorbilder, in diesem Fall auf die romanische Architektur der Lombardei. Er konzipierte die Dreifaltigkeitskirche als dreischiffige, querschifflose Basilika mit frei stehendem Turm. Im Innenraum trennen zwei Arkadenreihen das Mittelschiff von den Seitenschiffen; den Abschluss der Schiffe bilden drei mit Halbkuppeln überwölbte Apsiden. Den Chor schmückte seinerzeit ein 1903 angelegtes Fresko mit der Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit. Auch die übrige Ausmalung zeigt die in katholischen Kirchen oft anzutreffende verschwenderische Fülle von Bildzyklen und -pro grammen: von Szenen aus der Schöpfungsgeschichte über die Porträts der Kirchenväter bis hin zu Bildfolgen aus dem Leben Jesu und der Darstellung des Jüngsten Gerichts. Im Zuge größerer Renovierungsmaßnahmen wurde zu Beginn der 1970er-Jahre das Chorfresko von 1903 entfernt und der Chor samt den beiden angrenzenden Apsiden beigebraun überstrichen. Damit war nun aber auch die Verbindungslinie der Bildfolgen an den Mittelschiffwänden über den Chor hinweg unterbrochen. Erneut auftretende Bau schäden führten schließ- erhalten & gestalten 15

ERHALTEN UND GESTALTEN