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KEIM E+H Nr. 14: Autonomie und Transzendenz Jörg Niederberger und die Architektur

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erhalten & gestalten 2 3 Raue Kuben Wohngebäude in Luzern 6 Extremputz über Sichtbeton Primarschule Krauer in Kriens 8 Volumennobilitierung Altenheim Staffelnhof in Luzern 10 Mitten im Leben Wohnung in Winterthur 14 Im Farbraum der Stille Dreifaltigkeits kirche in Bern 17 Farbgetränkt Primarschule Hinter den Gärten, Riehen 18 Das Spiel der zwei Pole Jörg Niederberger und die Farben 20 Völlig losgelöst Wohngebäude in Zürich IMPRESSUM „erhalten & gestalten“ Herausgeber: KEIMFARBEN GmbH & Co. KG, Keimstraße 16, D-86420 Diedorf, www.keimfarben.de Verlag: mk publishing GmbH, Döllgaststraße 7—9, D-86199 Augsburg Texte: Gabriele Betz, Armin Scharf Bildnachweise: Roger Frei, Jörg Niederberger, Pernille Klemp, Büro Marques, Michael Kießling, Armin Scharf Der emotionale Impuls Wenn Kunst auf Architektur trifft: Jörg Niederberger Architektur kann über verschiedene Wege zu einer farbigen Präsenz kommen, nachträglich oder bereits während der Planungsphase, durch analytisch-rationale Abwägung oder durch künstlerisch-autonomes Herangehen. Betrachtet man die Arbeiten des Schweizers Jörg Niederberger, dann gehört er zweifellos zur zweiten Gattung. Tatsächlich kommt Niederberger aus der freien Malerei, arbeitet auf Leinwand im großen Format, aber auch in kleineren Maßstäben. Und er experimentiert mit einer neuen, digital unterstützten seriellen Arbeitsweise, die Malerei in Digitalprints überführt und dabei eine weitere Modulationsstufe durchläuft. Seit einem Jahrzehnt etwa widmet sich Niederberger auch dem ganz großen Format, der Architektur. Und sorgt immer wieder für spektakuläre Interpretationen, die mal in purer Farbigkeit übergehen, mal mit der vornehmlich groben Struktur und stumpferer Polychromie spielen. Und er lädt die typisch schweizerischen, vornehm reduzierten Kuben mit einer andersartigen Emotionsschicht auf, bringt das irrationale Moment in die sachliche Architektursprache zurück. Dass er dabei zumindest am Anfang einer Konzeption wie bei einem Gemälde vorgeht, ist anzunehmen. Dann jedoch startet die Feinarbeit, das Abwägen, das Konzentrieren, die Kommunikation mit den Beteiligten und die Anpassung der Intensitäten. Wobei die Grundideen der Entwürfe durch alle Variationsstufen Bestand haben. Wichtig ist Niederberger, dass seine Arbeiten einen „Überraschungseffekt“ haben und immer einen Schritt weiter gehen als das Gewohnte. Dass es dabei immer wieder zu Irritationen kommt, ist also ein durchaus gewollter Effekt. Klar ist aber auch, dass Niederberger trotz Farbbezügen zu bestimmten Umgebungselementen Solitäre herstellt, die sich letztlich selbst genug sind und starke Signale aussenden. Doch genau das ist ja die Aufgabe der Kunst, die sich hier großflächig in der Öffentlichkeit platziert.

Raue Kuben Mehrfamilienhäuser Hitzlisberg, Luzern Der Blick ist so unverbaubar wie faszinierend, reicht über den Vierwaldstätter See zur Rigi bis zum Pilatus. Die drei Kuben über Luzern sind typische Vertreter der reduzierten schweizerischen Architektur. 3

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