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KEIM E+H Nr. 15: François Zenner Gemalte Erzählungen im Elsass

Getupft und gemalt –

Getupft und gemalt – alles mit mineralischen Farben, die auch nach 15 Jahren noch bestens in Form sind. Im Zeichen des Sterns WINSTUB À L’ÉTOILE – RESTAURANT IN MULHOUSE 1997 umgesetzt, zählt diese Gestaltung zu einer der frühen Arbeiten von François Zenner – doch seine typische Stilistik ist bereits erkennbar, auch wenn hier der traditionelle Ansatz im Vordergrund steht. Das kleine Häuschen an der Rue de Bâle stand lange Jahre leer und drohte von einem direkt benachbarten Hotelneubau geradezu zermalmt zu werden. Heute steht dieser mächtige Nachbar noch immer, aber die Winstub wurde zu neuem Leben erweckt und stellt sich mit der Fassadenmalerei selbstbewusst daneben. erhalten & gestalten 8 Die Farben des Gebäudes bezog Zenner aus denen des elsässischen Weines: Weiß, Gold, Grün und Gelb. Dieser Vierklang taucht auf allen drei sichtbaren Fassaden auf, wobei die prominenteste Seite ein großes Sternmotiv ziert. Aufgemalte Weinreben und florales Dekor beziehen sich auf das kulinarische Angebot der Weinstube, die unter anderem den berühmten Flammkuchen auf der Karte führt. Anders als üblich hat Zenner den vorspringenden Sockel in ein helles Grau getaucht, um das Volumen des Gebäudes zu betonen. Das Sockelgrau dient insgesamt als Fassung des Gebäudes, gibt ihm die statische Stabilität, die durch die üppige Dekorbemalung relativiert wird. Und so findet sich das Hellgrau auch auf den gemalten Eckrisaliten und dem rückwärtigen Anbau wieder. Wie jede Malerei hat François Zenner auch diese selbst ausgeführt. Winstub à l’Étoile 57, rue de Bâle Mulhouse www.aletoile.com

BILDQUALITÄT SEHR SCHLECHT Das Lebkuchenhaus CHANGALA – PÂTISSERIE BOULANGERIE IN WINTZFELDEN Eine der frühesten Arbeiten Zenners findet sich im kleinen elsässischen Weiler Wintzfelden: 1997 verwandelte Zenner die schmucklose Fassade der dortigen Bäckerei in ein reich dekoriertes Lebkuchenhaus. „Bewusster Kitsch“, wie Zenner heute zur Malerei sagt, „aber sie passte einfach zu diesem alten Dorfhaus“. Weil das Gebäude als schützenswert klassifiziert ist, löste das Projekt Kontroversen aus, was vor der Realisierung komplizierte Absprachen erforderte. Dabei ist die Geschichte hinter der Malerei eine sehr persönliche, ja familiäre. Denn damals gehörte das Gebäude Zenners Schwester und ihrem Mann, dessen Vorname Changala schließlich der Bäckerei ihren Namen gab. Eine Bäckerei, die durch die Bemalung mit zahllosen Lebkuchenmotiven und -formen, traditionellen Gebäcktypen und Süßigkeiten zum legendären Hexenhaus von Hänsel und Gretel wurde. Diese Verbindung wählte Zenner keineswegs willkürlich, schließlich geht man heute davon aus, dass der eigentliche Ursprung des von Wilhelm Grimm verfassten Märchens im Elsass liegt. Vorher ein schmuckloses Dorfhaus, danach die Attraktion von Wintzfelden: Die Bäckerei „Changala“. Changala 17, rue Principale Wintzfelden erhalten & gestalten 9

ERHALTEN UND GESTALTEN