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KEIM E+H Nr. 3: Transzendenz der Farben - die sakralen Wandmalereien von Tobias Kammerer

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» Mein Bestreben ist

» Mein Bestreben ist es, Harmonie und Fortschritt zu vereinen und dabei etwas zu schaffen, das die Kraft hat, verstanden zu werden.« Der Bund mit den Menschen Evangelische Friedenskirche in Viernheim. Den neuen und den alten Bund Gottes mit den Menschen thematisieren Wandmalerei und polychrome Glaskunst. Der Bogen verbindet aber auch zwei Zyklen von Glasfenstern. Auf der Seite des alten Bundes steht die abstrahierte Darstellung der Sintflut, endend mit der Landung und der den Ölzweig tragenden Taube. Auf der anderen Seite folgen drei Fenster mit den Versprechen Gottes, die Dualität des Lebens ewig währen zu lassen. Das erste Fenster, mit grüner Farbstimmung und angedeuteten Ähren, verweist auf Saat und Ernte, auf die Kraft der Natur. Frost und Hitze sowie Tag und Nacht lassen sich in den beiden anderen Fenstern entdecken. Letzteres vereint die gelbe, lichte Tagstimmung über wärmendes Orange der Dämmerung mit dem kalten, schattigen Nachtblau. Der Bogen spannt sich zwischen zwei violetten Streifen wie ein Regenbogen. Eine erwünschte Assoziation, denn Tobias Kammerer thematisiert die Geschichte der Sintflut. Allerdings nicht ihre zerstörerische, unheilvolle Seite, sondern den Frieden, den neuen Anfang, der am Ende der biblischen Heimsuchung steht. „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ Dieser Satz aus der Genesis bezeichnet den neuen Bund zwischen Gott und den Menschen, dargestellt auf der Altarrückwand als schräg nach oben zeigender, violetter Streifen. Zu ihm führt der Bogen, ausgehend von einem vertikalen violetten Strich, der den alten Bund symbolisiert. Der farblich reduzierte Regenbogen verbindet die beiden Versprechen und durchläuft dabei eine breite, vertikal ausgerichtete Fläche. Sie steht für die von Christus aufgelöste Wand zwischen Himmel und Erde. In Gelb triumphiert das sich über alle Grenzen ergießende Licht. Gerahmt wird die Lichtstele von zwei weißen, glänzenden und damit das Licht reflektierenden Flächen. Weiß steht für die Summe aller Farben, für deren Anfang und Ende gleichzeitig. Kammerer antwortet mit seiner Arbeit auch auf den multifunktional konzipierten Raum, der mit mobiler Bestuhlung und entfernbarem Altar wenig mit einem traditionellen Kirchenkonzept gemein hat. Malerei und Glaskunst geben dem Ort Identität, indem sie die urchristlichen Motive in die heutige Zeit überführen, die Menschen im Strudel des Alltags und der Weltereignisse an die Vergangenheit und ihre immerwährende elementare Verpflichtung erinnern. 12 Architekten: Kolb-Neumann, Darmstadt

Der Bogen spannt sich: von der Sintflut zum Neubeginn, vom alten zum neuen Bund Gottes. Dazwischen strebt das alles wärmende Licht empor aus den großen Wassern, die vorher viel Leben verschlangen. erhalten & gestalten 13

ERHALTEN UND GESTALTEN