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KEIM E+H Nr. 4: Paulus Eckerle - Regionales Bauen im Altmühltal

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2 Regionales Bauen Die neue Wohnbebauung in Breitenhill greift die Merkmale des alten, verfallenen Anwesens auf. 3 6 7 8 10 11 erhalten & gestalten 2 Amtsknechthaus in Dollnstein Stadtmauerhaus in Beilngries Haus Grillmeier in Kipfenberg-Arnsberg Maschinenhalle in Titting-Herlingshard Metallbaubetrieb in Kinding-Haunstetten Kindergarten in Kipfenberg-Pfahldorf 12 Mehrgenerationenhaus in Titting-Kaldorf 13 Bürogebäude in Kinding-Haunstetten 14 Paulus Eckerle – Baumeister Werkschau 16 Flurkapelle in Kipfenberg-Pfahldorf IMPRESSUM „erhalten & gestalten“ Herausgeber: KEIMFARBEN GmbH & Co. KG, Keimstraße 16, 86420 Diedorf, www.keimfarben.de Verlag: mk Fachverlag für Kundenmagazine GmbH, Max-von-Laue-Straße 9, D-86156 Augsburg Freie Mitarbeit: Gabriele Betz Bildnachweise: Eckerle, mk Regionales Bauen Die Wiederentdeckung des Jurahauses Das landschaftlich reizvolle Bild des Altmühltales täuscht: Über Jahrhunderte war das Leben dort überaus bescheiden, geprägt von einer Landwirtschaft, die mit kargen Böden kämpfte. So schlicht zeigt sich auch die traditionelle Bauweise dort. Das Jurahaus zeichnet sich durch eine Formensprache des Minimalen aus, nur wenige Öffnungen durchbrechen die massigen, verputzten Mauern aus Bruchsteinen, Legschieferplatten bedecken die äußerst flach geneigten Satteldächer. Knappe Dachüberstände verleihen den Häusern, deren Materialien der direkten Umgebung entstammen, scharf geschnittene Silhouetten. Trotz oder gerade wegen dieser Reduktion fügen sich die alten Häuser harmonisch in die Landschaft ein, verschmelzen mit ihr. Das erste archäologisch nachweisbare Jurahaus mit dem charakteristischen Leg- schieferdach entstand wohl bereits im 12. Jahrhundert, doch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts schien sich niemand mehr für die regional typische Bauart zu interessieren. Viele Zeugnisse der Vergangenheit verschwanden oder verfielen. „Jodelarchitektur“, wie Paulus Eckerle die uniformen, ohne jeglichen Bezug implantierten Wohn- und Geschäftshäuser bezeichnet, galten als moderner, schicker und komfortabler. Langsam veränderten viele Dörfer ihr Gesicht. Inzwischen wird das Jurahaus wieder populärer, was vor allem dem Architekten Paulus Eckerle zu verdanken ist. Eckerle analysierte Ende der achtziger Jahre die regionale Baustruktur und arbeitet seither konsequent an der Wiederbelebung architektonischer Kleinode und an der Überführung der traditionellen Bauweise in die Gegenwart. So entstehen Neubauten, die die typischen Elemente das Jurahauses in sich tragen, aber mit modernen Materialien kombiniert sind. Auch die Farbigkeit der verputzten Massivbauten folgt diesem Ansatz. Sie ist zurückhaltend wie die Bauform, mehrheitlich monochrom, gliedert die Kubatur durch vertikale wie horizontale Bänder. So strahlen die Bauten jene gewachsene Harmonie aus, die auch die alten Jurahäuser auszeichnete. Und: Sie stärken die Identität der Region, verweisen gleichzeitig auf Vergangenheit wie auch Zukunft.

Bedenkenlos wurden Jurahäuser abgerissen und durch Wohnhäuser im Einheitsstil oder gewaltsam auf alpenländischbayerisch getrimmte „Jodelarchitektur“ ersetzt. Prachtstück im Dorf Sanierung eines denkmalgeschützten Jurahauses in Dollnstein Es klingt fast wie ein Märchen: Niemand gab dem alten, baufälligen Amtsknechthaus in der Ortsmitte von Dollnstein noch eine Chance. Sein Schicksal schien besiegelt, da meldete sich eine alte Dame aus Amerika. Anna Hart, so der Name der gebürtigen Dollnsteinerin, war 1928 nach New York ausgewandert. Nie verlor sie aber den Kontakt zur alten Heimat und so kam es, dass sie das desolate Bruchsteingemäuer, ihr ehemaliges Geburtshaus, Anfang der 90-er Jahre kurzerhand erwarb und es damit vor dem endgültigen Verfall rettete. Mit der Sanierung des ruinösen Anwesens beauftragte sie den in denkmalpflegerischen Fragen erfahrenen Architekten Paulus Eckerle. Wer das Amtsknechthaus heute betrachtet, kann erhalten & gestalten 3

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