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KEIM E+H Nr. 4: Paulus Eckerle - Regionales Bauen im Altmühltal

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  • Altmuehltal
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In der Regel wurden die

In der Regel wurden die Dachstühle im Altmühljura mit einer Neigung von 27 Grad realisiert. Neue Ordnung Neubau einer Lager- und Maschinenhalle in Herlingshard erhalten & gestalten Inmitten einer landwirtschaftlich genutzten Hochebene stößt man im Weiler Herlingshard oberhalb der Altmühl unvermutet auf die Überreste eines geschichtsträchtigen Ensembles: Im 18. Jahrhundert diente hier ein prächtig ausgestattetes Anwesen dem Bischof von Eichstätt als Landsitz. Erhalten geblieben sind davon heute nur noch ein Wirtschaftsgebäude mit einem herrschaftlichen Torbogen und Reste einer Umfassungsmauer. Als Zeugnis früher bäuerlicher Wohnkultur steht die Anlage unter Denkmalschutz. 1994 erhielt Paulus Eckerle den Auftrag, anstelle eines baufälligen Wohnhauses aus der Nachkriegszeit, das sich unmittelbar an den barocken Torbogen anschloss, eine Lagerhalle für landwirtschaftliche Geräte zu bauen. Bei der Planung der Halle waren unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten die Anbindung an das Tor und die Maßstäblichkeit des neuen Gebäudes besonders wichtig. Eckerle entwarf eine Halle, die sich unverkennbar an den regionaltypischen Jurabaustil anlehnt und dennoch ihre Modernität nicht verleugnet. Der schlichte weiße Kubus nimmt Proportionen und Gestaltungselemente des noch bestehenden Wirtschaftsgebäudes auf und fügt sich damit harmonisch in die gesamte Anlage ein. Ein massives Außenmauerwerk bildet mit freitragendem Brettbinderdach die Tragkonstruktion. Die Dacheindeckung mit steingrauen Tegalit-Betondachsteinen entspricht in ihrer Optik der früher üblichen Dachdeckung mit Legschieferplatten, die aus den umliegenden Kalksteinbrüchen herangeschafft und ohne Befestigung aufeinander geschichtet wurden. Eine Besonderheit ist auch die Traufe mit „stehender“ Rinne: Im Laufe der Jahrhunderte haben ansässige Handwerker eine für die Region typische Dachrinnenkonstruktion entwickelt, die auf eisernen Haken ruht. Die weiß verputzte Fassade ist symmetrisch angelegt. Fünf schmale Lüftungsschlitze unterhalb der Traufe sind funktional bedingt, deuten aber auch den für das Jurahaus typischen Kniestock an. Ein quadratisches Fenster, zwei Holztüren und zwei große Holztore vervollständigen das Bild. Erst das genaue Hinsehen enthüllt, dass die beiden Tore verschieden hoch sind: ein kleiner feiner Bruch in der Harmonie, der die Architektur ungleich spannungsvoller macht. 8

Moderne Formensprache im Einklang mit gewachsenen Strukturen: spannungsvolle Annäherung zweier Bauten aus verschiedenen Jahrhunderten. erhalten & gestalten 9

ERHALTEN UND GESTALTEN