platzhalter

Aufrufe
vor 9 Monaten

KEIM E+H Nr. 5: Erich Mendelsohn, Hans Scharoun und Max Taut: Architektur des 20. Jahrhunderts

  • Text
  • Haus
  • Architektur
  • Gestalten
  • Pitz
  • Berlin
  • Taut
  • Mendelsohn
  • Scharoun
  • Bauten
  • Instandsetzung

erhalten & gestalten „

erhalten & gestalten „ Fort von der Lernschule, fort von der alten Autoritätserziehung – hin zur Arbeitsschule, Erziehungsschule, Lebensschule. “ Jens Nydahl, bis 1933 Stadtschulrat Berlin eine schule für das leben in berlin-lichtenberg fügte max taut strenge klinkerbauten zur einzig gebauten großschule der weimarer republik. einst zeigte das baudenkmal im inneren eine vielfacettige farbigkeit, die jetzt abschnittsweise rekonstruiert wird. Aufbruchstimmung in Deutschland: Befreit von den Restriktionen der Kaiserzeit strebt die junge Weimarer Republik einer neuen Gesellschaftsordnung entgegen. Und ersetzt das autoritäre Bildungssystem durch die Reformschule, die fortan Bürger statt Untertanen hervorbringen soll. Intentionen, die sich auch in der Architektur widerspiegeln und den kasernenähnlichen Bautypus wilhelminischer Prägung obsolet werden lassen. An seine Stelle tritt der Reformschulbau mit Fachklassen, Sporteinrichtungen, moderner Infrastruktur und einer hellen, abwechslungsreichen wie qualitätsvollen Architektur, die verschiedene Schultypen zu einem flexibel nutzbaren Ganzen vereint. ehrgeiziges berlin Farbe reagiert: Von dunkelrotem Klinker umgeben, tragen die Fenster einen rot-blauen Anstrich, rot-weiß sind sie bei gelbem Klinker. Wie ernst es den Reformern ist, zeigt sich in Berlin. Dort bewilligt der Stadtschulrat im Jahr 1926 sagenhafte 21 Millionen Reichsmark für elf Schulneubauten – darunter auch der Lichtenberger Komplex, bestehend aus Berufsschule, Knabenmittelschule und Oberlyze0um. 1927 Im Altbau-Treppenhaus wurde die ursprüngliche Farbigkeit wieder realisiert. 12

Die historische Aufnahme zeigt den Haupteingang zur Aula, die zwischen konkaven und konvexen Baukörpern aufragt. Beim Neubau wurde das Prinzip der sparsamen, aber effizienten Raumausgestaltung des Bestands weitergeführt. fällt die Entscheidung für den Bau der Großschule, den eingeladenen Wettbewerb gewinnt Max Taut. Im Juli 1929 starten die Arbeiten, doch schon bald stehen erste Etatkürzungen an, Ende 1930 gar wird der Rohbau des Oberlyzeums gestoppt. Im August 1931 gehen die ersten Bauabschnitte in Betrieb, die große Aula folgt im Januar 1932, eine komplizierte, aber sich später als robust erweisende Eisenbetonkonstruktion. 1933 schließen die Nationalsozialisten Max Taut vom öffentlichen Bauen aus, dennoch stellt man 1935 den Hochbau fertig. Allerdings dient er als Mittelschule für Mädchen. So bleibt die Lichtenberger Anlage für 2.800 Schüler die einzige realisierte Großschule des Reformschulbaus, andere Projekte werden nicht mehr realisiert – zu groß ist der finanzielle wie politische Druck. stadtzeichen, schule und treffpunkt Im überwiegend von Arbeitern bewohnten Bezirk Lichtenberg fungiert die Schule derweil nicht nur als Bildungsstätte, sondern auch als Zeichen für die städtebauliche Erneuerung und als kultureller Treffpunkt für die Bürger – daher die große, 1.000 Plätze bietende Aula. Prominent zum benachbarten Nöldnerplatz hin orientiert, ragt sie hinter dem eingeschossigen, mit konvexem Schwung verlaufenden Gebäudeband auf, in dem sich Verwaltung und Haupteingang befinden. Hinter die Aula setzt Max Taut das dreigeschossige Gebäudeband mit den Spezialräumen der Schule. Dieser Komplex beschreibt eine konkave Biegung, wodurch ein linsenförmiger Zwischenbereich entsteht, in dessen Mitte die Aula steht. Dort, wo sich die beiden Bögen treffen, schließen sich zwei lange, den Straßenverläufen folgende Flügelbauten an. Die Höhenstaffelung, der parabelförmig gespannte Grundriss und die präzise voneinander abgesetzten Baukörper ergeben trotz betonter Schlichtheit ein geradezu vielgestaltiges Bauwerk. differenzierte farbigkeit Den in traditioneller Massivbauweise errichteten Rasterbauten gibt Max Taut eine ebenso strenge Materialität: Klinker und Ziegel beherrschen die Fassaden und deren Primärfarbigkeit. Warme, gelbockerige Ziegel bekleiden die mehrgeschossigen Bauten, während der kühlere, rötlich bis blauviolett schimmernde Klinker an Flachbauten und Sockelgeschossen zu finden ist. Aus der Farbigkeit erhalten & gestalten 13

ERHALTEN UND GESTALTEN