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KEIM E+H Nr. 5: Erich Mendelsohn, Hans Scharoun und Max Taut: Architektur des 20. Jahrhunderts

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Bauhistorische

Bauhistorische Bestandsaufnahme, Planung und Objektüberwachung: Pitz & Hoh – Werkstatt für Architektur und Denkmalpflege GmbH, Berlin Restauratoren: Koch & Wieck, Stuttgart Prof. Werner Koch, Berlin Bauherr: Wüstenrot-Stiftung und AIP Astrophysikalisches Institut Potsdam Instandsetzung: 1997 bis 1999 Standort: Der Einsteinturm liegt frei zugänglich im Potsdamer Wissenschaftspark Telegrafenberg. Besuch: Da der Einsteinturm ein Forschungsinstitut ist, können Besichtigungen des Inneren nur nach Voranmeldung stattfinden. Infos dazu beim Urania- Verein „Wilhelm Foerster e. V.“, Tel. 0331/291741, Fax 0331/293683. aufgebrachte Dispersionsfarbe verschärfte das Feuchteproblem durch Erschwerung der Diffusionsfähigkeit. In gleicher Weise schadete die 1927 zugefügte Einblechung von Fensterbänken und Turmkranz der Substanz. Gerade der Sichtbeton des Kuppelkranzes litt so durch nicht abtrocknendes Schwitzwasser. Damit nicht genug: Die Blechaufkantungen wurden in die Sichtbetonflächen eingestemmt, Bleche mit Bleipfropfen fixiert. Auch hier folgten Risse, eindringendes Wasser, Betonkorrosion. ocker statt weiß Die Therapie des Patienten basierte auf der Prämisse der Substanzerhaltung. Der Putz beispielsweise, weil stellenweise sehr gut haftend, wurde auch nur partiell erneuert. Die Beton- und Putzsanierung erfolgte in vielen kleinen Einzelmaßnahmen, um die verschiedenen Verformungen der Bauteile so auszugleichen, dass die Baubewegungen möglichst wenig neue Rissbildungen erzeugen. Dafür wurde in ausführlichen Putzversuchen im Labor ein spezieller Reparaturmörtel entwickelt. Bei den Untersuchungen entdeckte man aber auch die ursprüngliche Farbe wieder: Weder Betongrau noch Weiß, sondern ein helles Ocker zierte den Turm einst. Tatsächlich unterstreicht dieser Farbton seine Plastizität, lässt ihn stabiler und voluminöser wirken als jene weiße Fassung, die in den fünfziger Jahren auf den braun-oliven Tarnanstrich der Kriegszeit gefolgt war. sichtbare verwundungen Das Endergebnis ist kein „schönes“ Baudenkmal, sondern ein Bauwerk, dessen wechselvolle Geschichte an seinen Verwundungen ablesbar ist. Und: Der Turm wird ein Patient bleiben. Derzeit wird ein Pflegeplan erarbeitet: Über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg wird der Turm halbjährlich, nach der kalten und heißen Jahreszeit, untersucht, um Risse im Auge zubehalten und die neu eingesetzten Materialien auf ihre Langlebigkeit zu testen. Das die gesamte Instandsetzung betreuende Architekturbüro hat dazu eine Checkliste erarbeitet. Sie beschreibt die besonders kritischen Stellen und enthält Heizungsund Lüftungsvorschriften. Webtipp: http://aipsoe.aip.de erhalten & gestalten Literatur: Der Einsteinturm – Die Geschichte einer Instandsetzung. Herausgeber Norbert Huse, Karl Krämer Verlag Stuttgart, 2000 Ganz im Gegensatz zur verbreiteten Auffassung war der Einsteinturm nicht weiß, sondern in einen warmen Ockerton gefasst. 6

haus mit naturanschluss 1927 vollendet, erinnern die formalen qualitäten des hauses bejach spontan an eine der großzügigen villen frank lloyd wrights. doch nicht die prärie, sondern die peripherie berlins grenzt an die arztvilla. Die große Zeit der Landhausvillen war bereits vorbei, als Erich Mendelsohn für den Arzt Dr. Curt Bejach ein Wohnhaus plant, das in bester Tradition von Frank Lloyd Wright zu stehen scheint. Mit seinem lagernden Charakter, dem weit auskragenden Flachdach des Obergeschosses und der unmittelbaren Einbettung in die Landschaft erinnert das Haus Bejach an einen der großen Entwürfe des amerikanischen Meisters. Doch mit seinen 220 Quadratmetern Wohnfläche bleibt das Haus Bejach vergleichsweise bescheiden. Mendelsohn versteht es, das Hausinnere mit dem Außenraum zu verbinden. Der sich quer über die volle Haustiefe erstreckende Wohnraum leitet über eine kleine Durchgangshalle direkt zur großen, mit einer Pergola umrahmten Terrasse über. Auch im Obergeschoss führen Kinder- und Elternschlafzimmer unmittelbar auf eine große Terrasse. Die beiden Pergolen sind bei Mendelsohn keine additiven Elemente, sondern gehören unverzichtbar zur Gesamtkomposition. Von den Schmalseiten des Hauses in entgegengesetzte Richtungen ausgehend, leiten sie zum Garten und zur Straße über, sind Zwischenzonen, die das Fassadenprinzip des Gebäudes aufnehmen und einen domestizierten Außenraum beschreiben. Neben den Pergolen und dem Flachdach wird die Horizontale des Gebäudes wesentlich von der Fassadengestaltung getragen: Jeder vierten Backsteinschicht folgt ein schmaler, zurückgesetzter und weiß ausgestrichener Putzstreifen. Nur wenige Jahre verbrachte die jüdische Familie Bejach in ihrem Zehlendorfer Heim. 1934 flüchteten die beiden Töchter nach Großbritannien, während die Eltern vermutlich im KZ umkamen. Die späteren Eigentümer nahmen zum Teil einschneidende Veränderungen vor allem im Inneren vor, die heute behutsam und sukzessive zurückgeführt werden. Auch die originale Innenfarbigkeit lebt dort wieder auf, wo klare Befunde vorhanden sind. Ansonsten fasst man das Interieur in ein helles Ocker, einen Neutralton, der sich aus dem Treppenhaus des Gebäudes ableitet. Bauhistorische Bestandsaufnahme, Planung und Objektüberwachung: Pitz & Hoh – Werkstatt für Architektur und Denkmalpflege GmbH, Berlin Bauherr: privat Alternierende Klinker- und weiß ausgestrichene Putzstreifen verleihen dem Haus Bejach eine ganz eigene Anmutung. erhalten & gestalten 7

ERHALTEN UND GESTALTEN