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KEIM E+H Nr. 6: Walter Gropius und Alfred Arndt: Villa Auerbach in Jena

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„Wir wollen erfahren,

„Wir wollen erfahren, was mit uns in diesem einzigartigen Ambiente geschieht.“ Barbara Happe und Martin Fischer BEWAHRT Rekonstruktion auf höchstem Niveau Die klassische Problematik bei der Sanierung eines Baus der frühen Moderne, die unzureichende Wärmedämmung der oft dünn dimensionierten Außenbauteile, trat beim Haus Auerbach nicht in Erscheinung. Die Außenwände sind in 32 cm starkem Jurkomauerwerk, schlackengefüllten Betonsteinen mit guten Wärmedämmeigenschaften, ausgeführt. Anders sah es beim Dachaufbau aus. Da der Architekt bei der Bauausführung keine Dampfsperre verlegt hatte, wurde dies nachgeholt und gleichzeitig die Wärmedämmmung des Dachaufbaus unter den Dachterrassen verbessert. Viele der einfach verglasten Fenster waren bereits in den 20er-Jahren durch den Einbau eines zweiten Flügels zu so genannten Kastenfenstern umgerüstet worden. Diese Kastenfenster und die gut erhaltenen Wendeflügelfenster an der Südseite wurden saniert, die übrigen Fenster mit Isolierverglasung nachgebaut. Die Stahl-Glas-Konstruktion des Wintergartens war noch vollständig erhalten, aber so stark verzogen, dass hier korrigierende Eingriffe nötig waren. Da der Wintergarten als thermische Pufferzone dient, beließ man es bei der Einfachverglasung. Der Einbau einer komplett neuen Zentralheizung blieb den Besitzern allerdings nicht erspart, da die alte in allen Teilen irreparabel war. Im Inneren des Hauses wurden die historischen Einbauteile und Beschläge, wo noch vorhanden, restauriert und wieder eingebaut. Der Wunsch nach größtmöglicher Originaltreue bei der Rekonstruktion ging bis ins Detail. So investierten die neuen Eigentümer viel Mühe und Zeit in die Suche nach den richtigen Klinken und Beschlägen für Fenster und Türen. Und wurden belohnt: In einem anderen Jenaer Haus, das zur selben Zeit erbaut worden war, stießen sie auf das Gesuchte. Die Fußböden wurden, wie bereits vor 70 Jahren, mit hellem Linoleum belegt. Mit einer Ausnahme: Im Schlafzimmer ließ das Ehepaar einen Teppichboden nach den Entwürfen der Bauhausschülerin Gertrud Hantschke, der späteren Frau von Alfred Arndt, verlegen. Heute, nach Abschluss sämtlicher Instandsetzungsmaßnahmen, ist einmal mehr deutlich geworden, dass sich die Vernachlässigung baulicher Kleinodien im Osten Deutschlands im Nachhinein oft als Glücksfall erweist. Vom Zahn der Zeit zwar stark angenagt, aber in der Substanz gut erhalten und mangels verfügbarer Mittel in den letzten Jahrzehnten weitgehend von unsensiblen Sanierungsattacken verschont geblieben, konnte die Gropiusvilla ihre Authentizität und ihren besonderen Charakter wahren. Verständnis für das Besondere, Risikobereitschaft, Sorgfalt in Forschung und Ausführung und die kompetente Zusammenarbeit aller Beteiligten haben kein Denkmal wiedererstehen lassen, sondern ein Haus, in dem gelebt wird und das uns heute viel von der damaligen Aufbruchstimmung in eine neue Ära zu erzählen weiß. Die umfassende Rekonstruktion erwies sich als Glücksfall für die Bewahrung des architektonischen Erbes. erhalten & gestalten 12

Originale Türklinke aus schwarzem Horn und Rosenholz. Der Hebelmechanismus zum Öffnen und Schließen der Wintergartenfenster ist der zeitgenössischen Industriearchitektur entlehnt. Gesättigte Farben, wie das kräftige Ultramarinblau im oberen Dielenbereich, setzte Arndt nur sehr sparsam ein. Im Zusammenspiel mit den angrenzenden Wandflächen in hellem Beigegelb entsteht einer der ganz wenigen Hell-Dunkel-Kontraste im gesamten Haus. erhalten & gestalten 13

ERHALTEN UND GESTALTEN