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KEIM E+H Nr. 6: Walter Gropius und Alfred Arndt: Villa Auerbach in Jena

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WALTER GROPIUS

WALTER GROPIUS Wegbereiter moderner Formgebung erhalten & gestalten Walter Gropius, 1883 in Berlin geboren, entstammt einer Architektenfamilie. Nach dem Architekturstudium in den Jahren 1903 bis 1907 an den Technischen Hochschulen Berlin und München tritt er zunächst in das Büro von Peter Behrens ein und macht sich 1910 als Industriedesigner und Architekt selbstständig. Die Zusammenarbeit mit seinem Partner Adolf Meyer bringt 1913 ein frühes Meisterwerk hervor: die Schuhleistenfabrik Fagus in Alfeld an der Leine. Erstmals findet hier ein Konstruktionsprinzip Anwendung, das sich als stilbildend für die moderne Architektur erweisen wird: die Trennung zwischen tragender Konstruktion und nichttragender Fassade, die als „gläserner Vorhang“, als curtain wall, ausgebildet ist und das gesamte Gebäude umzieht. Im April 1919 wird Walter Gropius zum Direktor der Kunstgewerbeschule und der Hochschule für Bildende Kunst in Weimar ernannt und er schließt diese Ausbildungsstätten zum Staatlichen Bauhaus zusammen, mit dem erklärten Ziel, eine neue Einheit von Kunst und Handwerk zu schaffen. Zusammen mit Adolf Meyer baut Gropius in jener Zeit auch private Wohnhäuser, wie 1924 das Haus Auerbach in Jena. Zum ersten Mal setzt er hier konsequent seinen bereits 1910 formulierten Gedanken des „Baukastenprinzips“ für Wohnbauten um. „Wechselweiser An- und Aufbau sich wiederholender Raumzellen“ sollten den immer gleichen Bautyp variieren, Standardisierung und Vorfertigung den Bau verbilligen. Mit diesen Untersuchungen legte Gropius den Grundstein für die spätere Fertigbauweise. Politische Anfeindungen und Etatkürzungen zwingen die Kunstschule 1925 zum Umzug nach Dessau. Nach den Entwürfen von Walter Gropius entsteht dort ein neuer Komplex aus Schulgebäuden, Direktorenhaus und drei Doppelwohn- 14 häusern für die „Bauhausmeister“. Die kubischen Formen der schmucklosen Flachdachbauten verkündeten den progressiven Zeitgeist, der damals an Deutschlands wichtigstem Zentrum modernen Gestaltens herrschte. 1928 gibt Gropius die Leitung des Bauhauses an Hannes Meyer ab. Im Jahr 1934 emigriert er dann nach England. 1937 erhält er eine Professur an der Harvard University, USA. In den 60er-Jahren baut Gropius auch wieder in Deutschland. Er stirbt 1969 in Boston. „Vereinigung größtmöglicher Typisierung mit größtmöglicher Variabilität“ – Untersuchungen zum Haus als Baukasten.

ALFRED ARNDT Bauhauspionier in Sachen Farbe Alfred Arndt wird 1896 in Elbing geboren. Nachdem er dort in einem Bau- und Konstruktionsbüro eine Ausbildung als Maschinenzeichner absolviert hat, nimmt er 1921 das Studium am Bauhaus in Weimar auf. Wie alle Bauhausschüler besucht er zunächst den Vorkurs bei Johannes Itten: eine Grundausbildung, die Handwerker und Künstler gemeinsam besuchen und die Kenntnisse über Form, Farbe und Beschaffenheit des Materials vermittelt. Es folgen Kurse bei Klee, Kandinsky und Schlemmer. Arndt entscheidet sich für eine Ausbildung in der Werkstatt für Wandmalerei und beschließt diese1924 mit der Gesellenprüfung. Wie es seinen Interessen entsprach, befasst er sich in dieser Zeit eingehend mit farbigen Wand- und Raumgestaltungen. Dabei kommt es ihm vor allem darauf an, Farbe nicht zu Dekorationszwecken, sondern als mitgestaltendes Element einzusetzen. Farbe soll nicht der „Verschönerung“ von Architektur dienen, sondern eine gleichwertige Beziehung mit der Architektur eingehen und deren raumplastische Wirkung unterstützen. In erhalten gebliebenen Farbplänen für die Außengestaltung der Meisterdoppelhäuser in Dessau versucht Arndt, diesen Vorstellungen Gestalt zu verleihen. Neben lichten Tönen wie Grau, Hellgelb und Rosa für die Fassaden wählt er für Fensterlaibungen, Überstände, Geländer, Regenfallrohre oder Balkonbrüstungen starkfarbige Akzentuierungen in Rot und Blau. In diese Zeit fällt auch seine Zusammenarbeit mit Walter Gropius für die farbige Ausgestaltung der Villa Auerbach in Jena. Nach dreijähriger Tätigkeit als freier Architekt in Probstzella, Thüringen, kehrt Arndt 1929 als Meister an das Bauhaus zurück. Bis 1931 arbeitet er dort als Leiter der Ausbauwerkstätten, wozu die Metall- und Möbelwerkstatt und die Wandmalerei gehören, danach unterrichtet er Ausbaukonstruktion, Entwurfszeichnen und Perspektive. Nachdem das Bauhaus 1933 von den Nationalsozialisten aufgelöst wird, lässt sich Arndt erneut als freier Architekt in Probstzella nieder. Er erhält Aufträge verschiedener Industriebetriebe und entwirft für die AEG in Berlin Kücheneinrichtungen. 1945 wird er Leiter des Hochbauamtes in Jena. Drei Jahre später gibt er dieses Amt jedoch wieder auf und übersiedelt als freier Architekt nach Darmstadt, wo er unter anderem 1957 das vielbeachtete Wohnhaus des Kunstsammlers Karl Ströher samt angrenzendem Galerietrakt baut. 1976 stirbt der „Urbauhäusler“ (Gropius über Arndt) in Darmstadt. Alle Details über die Entdeckung der verlorenen Farben und die umfangreiche Sanierung des einzigartigen Baudenkmals der Architekturmoderne lassen sich in dem neu erschienenen Buch „Haus Auerbach von Walter Gropius mit Adolf Meyer“ nachlesen. Die Autoren und Eigentümer beschreiben darin kenntnisreich die Geschichte des Hauses und seiner einstigen Bauherren, die Architektur und Farbgestaltung. Barbara Happe & Martin S. Fischer: „Haus Auerbach von Walter Gropius mit Adolf Meyer“. Wasmuth- Verlag, Tübingen 2003, 172 Seiten, 24,– Euro, ISBN 3 8030 0635 X. Haus Auerbach, Jena. Bauherren: Dr. Barbara Happe und Prof. Dr. Martin S. Fischer Architekt: Hans-Hubert Krämer, Reutlingen Restauratoren: Restauratorengemeinschaft Bruhm & Serfeling, Jena Ausführung: Maler Volkland GmbH, Eisenberg/Thüringen erhalten & gestalten 15

ERHALTEN UND GESTALTEN