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KEIM E+H Nr. 7: Diözesanbauamt Eichstätt: modernes Bauen im Bestand

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Respekt vor Qualitäten

Respekt vor Qualitäten Karl Frey wird 1992 Diözesanbaumeister und Universitätsbaumeister in Personalunion. Der 1943 geborene Eichstätter tritt damit die Nachfolge von Karljosef Schattner an, der in seinen 35 Amtsjahren Eichstätt ein ganz eigenes architektonisches Gepräge verlieh. Karl Frey, von 1984 bis 1989 Stadtbaumeister Eichstätts, setzteinerseits die Tradition des respektvollen Umgangs mit der Historie fort, jedoch miteigenen Konzepten und Schwerpunkten. 1997 erhält er mit seinem Team den bayerischen BDA-Preis für die Teilbereichsbibliothek und den Orbansaal in Ingolstadt. Mit Lehraufträgen an den Fachhochschulen Regensburg und München engagiert sich Karl Frey auch für die Qualifikation des Nachwuchses. Er selbst studierte von 1967 bis 1970 an der FH Nürnberg und von 1974 bis 1977 an der TU München, ergänzt durch ein städtebauliches Aufbaustudium von1978 bis 1980 an der TU München. 1980 folgt die Ernennung zum Regierungsbaumeister, bis 1984 war Karl Frey als freier Architekt aktiv, um dann in die kommunalen Dienste Eichstätts zu wechseln. Eichstätt und mehr Karl Frey ist mit seinen 26 Mitarbeitern nicht nur für die kirchlichen Bauten in Eichstätt zuständig, sondern für das gesamte Bistum. Dieses umfassteine Fläche von 6.000 Quadratkilometern, auf denen sich 15 Dekanate mit 283 Pfarreien versammeln. Das Diözesanbauamt ist zentrale Anlaufstelle bei allen baulichen Aktivitäten, es berät die Pfarrämter, Kirchenstiftungen und kirchlichen Verbände der Diözese, plant selbst oder koordiniert externe Architekten sowie alle Baubeteiligten. Ein eigener Bautrupp mit Facharbeitern und einem Kirchenmaler widmet sich speziell der Ausführung sensibler Objekte. Da das Diözesanbauamt gleichzeitig als Bauamt der katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt fungiert, umfasst der Zuständigkeitsbereich Karl Freys rund 70 Prozent der Bauten im Altstadtkern Eichstätts. Sie sind oberster Architekt für 455 000 Katholiken in der Diözese. Welche Aufgaben stellen sich da? Wir übernehmen ein breites Spektrum. Das beginnt bei der Beratung einzelner Pfarreien über anstehende Sanierungen, Erweiterungen oder Neubauten. Wenn wir nicht selbst die Planung übernehmen, ziehen wirexterne Architekturbüros hinzu, koordinieren aber die Arbeiten nach wie vor. Ähnlich gestaltet sich unsere Rolle als Universitätsbauamt. Welche Aspekte zählen da für Sie? An erster Stelle stehen die Bedürfnisse der Nutzer. Dem folgt die Kombination aus Qualität und Wirtschaftlichkeit. Weil wir keinen renditeorientierten Investor als Bauherrn haben, können wir langfristiger denken und optimalere Lösungen anstreben. Das, so denke ich, lässt sich an vielen Details guterkennen. Nun bauen Sie häufig im Bestand und im Denkmal. Wie würden Sie Ihr Verhältnis zur Denkmalpflege beschreiben? Wir führen regelmäßig ernsthafte Gespräche und verfolgen dabei durchaus unterschiedliche Auffassungen. Es ist einerseits enorm wichtig, die Kulturlandschaft, zu der die regionale Architektur gehört, in ihrem Wesen zu erhalten. Andererseits kann es keine Denkmalpflege um ihrer selbst Willen geben. Wir verfolgen ja letztlich ein konkretes Ziel, nämlich benutzbare Bauten zu schaffen, die heutigen Ansprüchen gerecht werden. erhalten & gestalten 12 Ihre Herangehensweise ist stark städtebaulich geprägt. Ja, als Basis dient uns immer eine städtebauliche Analyse, die Beziehungen aufzeigt und uns den Ort als solchen spezifiziert. Das istein elementarer Prozess. Erst danach beginnen wir mit der Fixierung der Funktionen und der konkreten Planung des Objekts oder des Umbaus.

Sie legen Wert auf sichtbare Schnittstellen. Stimmt. Dort, wo wir neue Nutzungen anbinden, etwa bei der Umnutzung der Aula am Graben in einen Lesesaal, sind die neuen Elemente als solche klar erkennbar vom Bestand getrennt. Sie biedern sich nicht an, bleiben in gewisser Weiseeigenständig, fügen sich aber dennoch harmonisch in den Kontextein. Arbeiten im Bestand erfordert ganz besondere Qualitäten vom Architekten. Auch in Zukunft wird diese Aufgabe große Bedeutung haben. Ist der Nachwuchs dafür vorbereitet? Die bewusste Auseinandersetzung mit dem Denkmal kommt in der Ausbildung momentan nur ansatzweise vor. Es findet vor allem in pragmatischer Hinsicht keine Vertiefung statt, die muss sich der junge Architekt später hart erarbeiten. Gerade praktische Erfahrung ist enorm wichtig, um Denkmale angemessen zu erhalten, also weiterhin in der Nutzung zu halten. Der Trend zum akademischen Denkmalschutz neigt dazu, die Authentizität über alles zu stellen, was aber nicht immer Sinn macht. Ohne Erfahrungswerte jedoch lassen sich keine Alternativen aufzeigen. Wie würden Sie die Arbeitsweise Ihres Teams charakterisieren? Die Baumeister der Vergangenheit haben die Tradition anerkannt und gelebt. Das heißt, sie haben sich an der Maßstäblichkeit der Stadtstruktur orientiert und die wichtigsten Elemente fortgeführt. Wir – und das sollte allgemein gelten – müssen wieder mehr Respekt vor den traditionellen Qualitäten bekommen und diese so definieren, dass sie heute wirken können. erhalten & gestalten 13

ERHALTEN UND GESTALTEN