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KEIM E+H Nr. 7: Diözesanbauamt Eichstätt: modernes Bauen im Bestand

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Abbild klösterlichen

Abbild klösterlichen Lebens Den Baukomplex des Karmel umspannteine hohe Umfassungsmauer, hinter der zunächst die Kirche mit dem kleinen Dachreiter ins Auge fällt. Erst nach und nach erfasst der Blick die Architektur des neu errichteten Pfortengebäudes, das durch seine Geschlossenheit zunächst wieein Teil der Klostermauer wirkt. Der breit gelagerte Betonkubus auf fast quadratischem Grundriss weist an drei Seiten nur vereinzelte, kantig in die Fassade hineingeschnittene Fensteröffnungen auf, an der Südseite hingegen flutet das Licht durch große Fensterflächen ungehindert hinein. Kantig und schwer stemmt sich der zweigeschossige Neubau aus dem Boden empor, steht aber hinter den Ausmaßen der umgebenden historischen Gebäude zurück. Im Unterschied zur Klausur, die allein den Ordensschwestern vorbehalten ist, beherbergt das Pfortengebäude auch weltliche Bereiche. Hier sind Sprechzimmer, Gästezimmer, Werkstätten und Lagerräume untergebracht. Die zentrale Eingangshalle, die gleichzeitig als Verkaufsraum für die von den Schwestern hergestellten Arbeiten fungiert, liegt in der Verlängerung der Kirchenachse. Anordnung und Erschließung der Räume um die Halle, sogar ihre Proportion nehmen Bezug auf die Gliederung im Altbau. Eine andere Achse verläuft als Verbindungsgang zwischen Neubau und Klausurbereich und führt den nördlichen Kreuzgang fort. Hier zeigt sich ein wiederkehrendes Prinzip – alles steht mit jedem in Verbindung, ist Teil eines Ganzen und doch eigenständig. So kompromisslos modern und funktional sich der markante Baukörper auch präsentiert, so konsequent fügtersich durch formale und inhaltliche Bezüge in die gesamte Klosteranlage ein und verschmilzt mit ihr zu einer Einheit. So sind auch die Geschlossenheit nach außen, zur lauten Straßenseite und die Öffnung nach innen, zum südlich gelegenen Klausurgarten, Teil eines architektonischen Programms – ein gebautes Abbild klösterlichen Lebens. Konzentration auf das Wesentliche Die Kirche als geistliches Zentrum des Klosters erfuhrebenfalls eine umfassende Restaurierung und Umgestaltung. Klarheit und Konzentration auf das Wesentliche prägen den Innenraum. Archaische Materialien wie Stein, Holz und Metall sowieeinereduzierte Formgebung beziehen sich auf die Wesensmerkmale der Ordensgemeinschaft: kontemplative Andacht und Spiritualität. Alle neuen Einbauten, die im Kircheninneren notwendig wurden, sind daran erkennbar, dass sierespektvollen Abstand von der historischen Hülle halten – die hölzernen Wandverkleidungen im Chor miteingeschlossen. Konsequent und sichtbar bleibt das Neue vom Alten getrennt, in der Kirche wie im Kloster. erhalten & gestalten 8 Nordansicht des Wemdinger Ensembles, rechts der flache Neubau.

Auch den Verkaufsraum beherrsch† eine nüch†erne Formensprache. S†ein, Be†on, Glas, S†ahl und Holz vermi††eln Bes†ändigkei†, während der durch ein Oberlich† einfallende Lich†kegel die Vergänglichkei† des ablaufenden Tages auf den Fußboden projizier†. Klarhei† und Konzen†ra†ion auf das Wesen†liche prägen den Innenraum der sanier†en Kirche. Al†ar und Ambo sind aus geöl†em Lavas†ein gehauen. Das ehemals „feurige“ Ma†erial nimm† dami† Bezug auf die Schöpfung. Ein Chorgi††er †renn† den Bereich der Nonnen vom Gemeinderaum. Von der Südsei†e abgesehen, durchbrechen nur wenige Fens†eröffnungen die ungeglieder†e Fassade des Neubaus. An der Wes†sei†e klapp† sich ein s†einerner Laden vor die Wand – für immer in dieser Posi†ion veranker†. Einereduzier†e, nahezu karge Formenspracheerschaff†, wie hier im Kapi†elsaal, Räume von medi†a†iver Klarhei†. Die Beschränkung auf wenige, dauerhaf†e Ma†erialien en†sprich† den Forderungen des Ordens nach bewuss†er Askese. erhalten & gestalten 9

ERHALTEN UND GESTALTEN