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KEIM E+H Nr. 9: Le Corbusiers Doppelhaus in Stuttgart: Eine Ikone der Moderne lebt auf

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Z E I T S P U R E N E R

Z E I T S P U R E N E R Ein so prominentes und gleichzeitig so verändertes Baudenkmal wie das Stuttgarter Doppelhaus Le Corbusiers ist eine Herausforderung, aus denkmalpflegerischer wie auch bautechnischer Sicht. Das zeigte sich bereits bei der Sanierung des Jahres 1984, die seinerzeit die strapazierte Bausubstanz zu ertüchtigen und den originalen Zustand herzustellen suchte. Die aktuelle Instandsetzung jedoch beginnt tiefer – mit einer zweijährigen Bauforschung, die auch archäologische Sondierungen im Eingangsbereich nutzt. AUF DEN GRUND GEGANGEN NICHT DIE DETAILGENAUE REKONSTRUKTION, SONDERN DIE BEFUND- UND QUELLEN- GESTÜTZTE ANNÄHERUNG AN DIE WESENTLICHEN QUALITÄTEN DES ORIGINALS BESTIMMTE DAS INSTAND- SETZUNGSKONZEPT. Die gesamte Unterkellerung zeigte sich in einem stark durchfeuchteten Zustand, was an den gerundeten Treppenhauswänden zu Ausblühungen und großflächigen Putzablösungen führte. Die Fundamente aus Einkornbeton standen teilweise ohne Schalung gegen anstehenden Boden und reichten kaum zum frostfreien Baugrund. Bei fehlender Horizontalsperre war das Eindringen von Feuchtigkeit aus Tagwasser und im Fels geführtem Hangwasser leicht möglich. Um diese problematische Situation zu beseitigen, wurde die bestehende Gründung gegen den Hang komplett freigelegt, abschnittweise bis auf die frostfreie Tiefe unterfangen, die Wand- und Fundamentoberfläche ausgebessert, abgedichtet und in ein neues Drainagesystem integriert. Im westseitigen Hangbereich leitet nun ein sogenannter zweifach wirksamer Sickerschlitz das Grundwasser ab. Der im Fels ausgehobene, vier Meter tiefe Graben enthält eine Drainageleitung mit Kiesfilterschicht. Zwischen einer verlorenen Schalung und dem anstehenden Boden liegt eine Lehmpellet- Schüttung, die bei Nässe aufquillt und selbstverdichtend wirkt. MARODES FLUGDACH Die Tragstruktur des Gebäudes war insgesamt gut erhalten, bauzeitlich allerdings ohne nennenswerte Tragreserven bemessen. Damit hätte die Wiederherstellung der konzeptionell wichtigen Beton-Möbeleinbauten eine Deckenverstärkung erfordert, denn in der Ursprungsstatik waren sie nicht berücksichtigt. Die Flugdachkonstruktion aus dem Jahr 1927 ist einmalig und sollte daher nach Möglichkeit erhalten werden. Doch nach der Abnahme von Bitumenabdichtungen und Putzschlämmen zeigte sich ein ernüchterndes Bild: Es gab keine nennenswerten zusammenhängenden intakten Flächen mehr, vielen Bewehrungseisen fehlte die Betonüberdeckung, was zu Blattrostbildung führte. Das Gutachten ermittelte eine Schadensquote von 85 Prozent. Bei einer Betondicke von etwa sieben Zentimetern und dem in großen Bereichen zerrütteten Betongefüge wären beim Freilegen der Bewehrung nur noch einzelne Stücke originaler Betonsubstanz verblieben. Angesichts der großen Bedenken, das schadhafte Geflecht aus Eisenstäben und Betonstücken wieder zu einem Betonbauteil aus einem Guss instandzusetzen, entschied man sich, das Flugdach abzubauen und durch eine neue Betonkonstruktion zu ersetzen. Mit archäologischen Verfahren klärte man den ursprünglichen Aufbau des Erdgeschosses und der Eingangsebene. Durch den Rückbau des Kellerbereichs wurde das Erdgeschoss wieder höher, das Gebäude erhielt seinen schwebenden Charakter zurück. erhalten & gestalten 6 WIEDER SCHWEBEND Zur Überprüfung der Gebäudeproportionen wurden bauzeitliche Fotografien mit neuen, aus dem Bestandsaufmaß hergestellten Zeichnungen überlagert. Bei der Ostfassade waren erhebliche Höhendifferenzen im Sockelbereich, bei den Stützen und der Dachbrüstung feststellbar. Die bauzeitliche Stützwand war gegenüber dem vorgefundenen Zustand um etwa 35 Zentimeter niedriger. Dasselbe Differenzmaß zeigte sich auch an den horizontalen Abscherungen am Verputz der

ERHALTEN UND GESTALTEN